Sehr geehrte Damen und Herren,

die Blauzungenkrankheit hat sich seit 2015 in Frankreich, Österreich und Italien weiter in Richtung Süddeutschland ausgebreitet. Das Friedrich-Loeffler-Institut, Nationales Referenzlabor auf der Insel Riems und die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin rechnen mit einer weiteren Ausweitung des Seuchengeschehens auch auf Deutschland. Sie raten daher dringend zu einer erneuten vorbeugenden Schutzimpfung von Rindern, Schafen und Ziegen.

Durch eine Schutzimpfung kann einer Erkrankung der empfänglichen Tiere durch das Virus der Blauzungenkrankheit (BTV) erfolgreich vorgebeugt werden und die mit einem Ausbruch verbundenen Einschränkungen beim Handel mit Tieren und tierischen Erzeugnissen aus den Restriktionszonen können minimiert bzw. geringgehalten werden.

In Baden-Württemberg, das den BT-Seuchengebieten am nächsten liegt,   wurden 2016 jeweils ca. 350.000 Rinder, Schafe und Ziege gegen das BT-Virus geimpft. Damit der Impfschutz der bereits 2016 geimpften Tiere aufrechterhalten bleibt, wurden auch 2017 diese Tiere innerhalb der von den Impfstoffherstellern angegebenen Fristen nachgeimpft.

Da die heimischen Nutztiere sowohl durch den Serotyp 8 des BT-Virus (BTV 8) aus Frankreich, als auch durch den Serotyp 4 (BTV 4) aus Österreich und Oberitalien bedroht sind und sich bei den geimpften Tieren keine Kreuzimmunität entwickelt, wird fachlich auch für Thüringen sowohl die Impfung gegen BTV 8 als auch gegen BTV 4 empfohlen.

Bei einer erstmaligen Impfung müssen empfängliche Tiere im Rahmen der

Grundimmunisierung zweimal im Abstand von drei Wochen geimpft werden, um eine ausreichende Immunität gegen das BT-Virus aufzubauen.

Die Impfung gegen das Virus der Blauzungenkrankheit ist freiwillig. Tierhalterinnen und Tierhalter, die ihre Tiere schützen und gegen die Blauzungenkrankheit impfen lassen wollen, sollten bereits zu Beginn des Jahres 2018 die Anzahl und Art der zu impfenden Tiere sowie den Serotyp, gegen welchen ihre Tiere geimpft werden sollen, bei der ihren Tierbestand betreuenden Tierarztpraxis anmelden.

Die Impfung kann dann durch die Tierarztpraxen vorbereitet und so rechtzeitig erfolgen, dass sie insbesondere bei Rindern vor dem Weideauftrieb abgeschlossen werden kann.

Folgende Impfstoffe sind vom Paul-Ehrlich- Institut (PEI) zur Impfung gegen die Blauzungenkrankheit zugelassen (Stand: 28-12-2017):

Bezeichnung

Krankheit

Zulassungsinhaber

Zulassungsdatum

Tierart

Bluevac BTV8

Impfstoff gegen die

Blauzungenkrankheit,

Serotyp 8

CZ Veterinaria

S.A., Spanien

14.04.2011

Schaf,

Rind

Bluevac-4

Impfstoff gegen die

Blauzungenkrankheit,

Serotyp 4

CZ Veterinaria

S.A., Spanien

25.05.2016

Rind

Bovilis BTV8

Impfstoff gegen die

Blauzungenkrankheit,

Serotyp 8

Intervet

International

B.V.

06.09.2010

Rind,

Schaf

BTVPUR

Impfstoff gegen die

Blauzungenkrankheit,

Serotypen 1, 4 und 8

Merial

Frankreich

17.12.2010

Rind,

Schaf

BTVPUR

AlSap 1

Impfstoff gegen die

Blauzungenkrankheit,

Serotyp 1

Merial

Frankreich

17.12.2010

Rind,

Schaf

BTVPUR

AlSap 8

Impfstoff gegen die

Blauzungenkrankheit,

Serotyp 8

Merial

Frankreich

17.12.2010

Rind,

Schaf

SYVAZUL 1

Impfstoff gegen die

Blauzungenkrankheit,

Serotyp 1

Laboratorios

SYVA, S.A.U.

28.09.2016

Schaf,

Rind

SYVAZUL 8

Impfstoff gegen die

Blauzungenkrankheit,

Serotyp 8

Laboratorios

SYVA, S.A.U.

11.08.2017

Schaf,

Rind

Zulvac 1

Bovis

Impfstoff gegen die

Blauzungenkrankheit,

Serotyp 1

Zoetis Begium

S.A. Belgien

05.08.2011

Rind

Zulvac 1+8

Bovis

Impfstoff gegen die

Blauzungenkrankheit,

Serotypen 1 und 8

Zoetis Begium

S.A. Belgien

08.03.2012

Rind

Zulvac 8

Bovis

Impfstoff gegen die

Blauzungenkrankheit,

Serotyp 8

Zoetis Begium

S.A. Belgien

15.03.2010

Rind

Sofern eine Impfung gegen die Blauzungenkrankheit durchgeführt wird, ist die Impfung innerhalb von 7 Tagen nach der Durchführung in der HIT-Datenbank einzutragen. Diese Eintragungen sind für die behördliche Überwachung und für Erleichterungen beim Verbringen empfänglicher Tiere aus einem Restriktionsgebiet nach einem Ausbruch der Blauzungenkrankheit notwendig.

Hintergrundinformationen:

Die Blauzungenkrankheit (BT) ist eine durch bestimmte Stechmücken (Gnitzen) übertragene und anzeigepflichtige Viruskrankheit der Rinder, Schafe und Ziegen. Typische Krankheitssymptome sind Fieber, Entzündungen der Schleimhäute, vermehrter Speichelfluss und Schaumbildung vor dem Maul. Vor allem bei Schafen schwillt die Zunge an, wird blau und kann aus dem Maul hängen. Insbesondere bei Schafen und Ziegen kann es zu schwerwiegenden Erkrankungen mit Todesfolge oder zu Verlammungen kommen. Empfängliche Tierarten sind neben Rindern, Schafen und Ziegen auch Kameliden und das Rotwild. Wegen der Übertragung durch Stechmücken ist eine wirksame Verhinderung und Bekämpfung nur durch eine vorbeugende Impfung möglich.

Sowohl in Österreich als auch in Frankreich und in Italien wurde 2016 und 2017 ein BT-Ausbruchsgeschehen nachgewiesen, das sich weiter in Richtung Deutschland ausgebreitet hat. Es besteht daher die große Gefahr, dass sich bei günstiger Wetterlage die Stechmücken (Gnitzen) stark vermehren und sowohl BTV 8 als auch BTV 4 aus den bisherigen Ausbruchsgebieten nach Süddeutschland eingeschleppt/verbreitet wird. Experten gehen davon aus, dass z.B. in Baden-Württemberg und Bayern in absehbarer Zeit wieder Fälle dieser anzeigepflichtigen Tierseuche auftreten können. Das Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tierkrankheiten, hat in seiner Risikobewertung die Wahrscheinlichkeit für einen Eintrag des Virus nach Deutschland vor allem über Gnitzen mit dem Wind als hoch eingestuft. Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin empfiehlt möglichst eine Pflichtimpfung; in jedem Fall sollte eine flächendeckende freiwillige Impfung empfänglicher Tiere durchgeführt werden.

In Baden-Württemberg erfolgte 2016 und 2017 eine freiwillige Impfkampagne, welche durch die Tierseuchenkasse und das Land finanziell unterstützt wurde. Die 2016 grundimmunisierten Rinder benötigten 2017 bei rechtzeitiger Nachimpfung nur noch eine Auffrischungsimpfung, damit der Impfschutz weiterhin gewährleistet ist. Bei der Erstimpfung von Tieren sind dagegen zwei Impfungen gegen jeden Serotyp, gegen den geimpft werden soll, notwendig.

Sofern in Thüringen wegen eines BT-Ausbruchs oder in einem angrenzenden Bundesland eine Restriktionszone mit einem Mindestradius von 150 km errichtet werden muss, würde dies neben Erkrankungen von Tieren insbesondere den Tierhandel erheblich beeinträchtigen. Empfängliche Tiere dürfen aus einer Restriktionszone nur verbracht werden, wenn sie gegen BT geimpft oder negativ auf BT-Virus untersucht sind.

Allen Haltern von empfänglichen Tieren, die regelmäßig Tiere vermarkten und nicht im eigenen Betrieb aufziehen, wird daher die vorbeugende Impfung gegen die Blauzungenkrankheit empfohlen.

Hierbei ist folgender Hinweis zu beachten:

Für den Aufbau eines wirksamen Impfschutzes zum Zwecke des Verbringens aus einem BT-Restriktionsgebiet ist mit einem Zeitraum von mindestens 60 Tagen (erleichtertes innerstaatliches Verbringen von Kälbern nach ordnungsgemäß durchgeführter Muttertierschutzimpfung und Verabreichung von Biestmilch des geimpften Muttertieres sowie spezieller Tierhaltererklärung) bis 106 Tagen (erwachsene Rinder innerstaatliches und innergemeinschaftliches Verbringen) zu kalkulieren.

Da Deutschland noch als BTV-freie Region gilt, darf nach geltendem Recht (EG-Blauzungenbekämpfung-Durchführungsverordnung) nur mit Genehmigung der zuständigen Veterinärbehörde gegen die Blauzungenkrankheit geimpft werden.

Mit der Allgemeinverfügung des Landesamtes für Verbraucherschutz zur Genehmigung der Impfung gegen die Blauzungenkrankheit vom 12. Februar 2018, veröffentlicht auf Seite 250 im Thüringer Staatsanzeiger Nr. 10/2018, ist die freiwillige Impfung der empfänglichen Tiere gegen die Blauzungenkrankheit in Thüringen 2018 möglich.

Tierhalterinnen und Tierhalter, welche 2018 ihre Tiere gegen BT impfen lassen wollen, sollten die Art und Anzahl der zu impfenden Tiere sowie den Serotyp (BTV 4 und 8), gegen den ihre Tiere geimpft werden sollen, zeitnah bei ihrer Betreuungstierarztpraxis anmelden.

Bei Fragen können die Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämter, der Rinder- und Schafherdengesundheitsdienst der Thüringer Tierseuchenkasse, praktizierende Tierärztinnen und Tierärzte Auskunft geben.

Weitere Informationen zur Blauzungenkrankheit erhalten Sie unter:

https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/blauzungenkrankheit/

Ich bitte Ihre Mitglieder über die Möglichkeit der Impfung empfänglicher Tiere gegen die Blauzungenkrankheit zu informieren.

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

gez.

Dr. Michael Elschner

Referatsleiter

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